Ponseti-Füße
Ponseti-Füsse
Eine Infoseite zur Klumpfußbehandlung nach Ponseti
Theorie und Praxis > Baby mit Schiene
Home
Forum
Der Klumpfuß
Die Behandlung
Ponseti
Theorie
und Praxis
Schwanger mit Klumpfußbaby?
Ein Klumpfußkind - was nun?
Baby mit Gips
Baby mit Schiene
Anleitungen
Schienentypen
Ausstattungs-
Tipps für Klumpfußkinder
Die liebe Bürokratie
Sammelsurium
Gästebuch

Das Baby mit Schiene

Nachdem der letzte Gips abgenommen ist, fängt jetzt die Schienenzeit an. Das ist der aktive Part für die Eltern, der mindestens so wichtig ist, wie die Gipsbehandlung durch den Orthopäden.

Die bei Ponseti verwendete Fuß-Abduktions-Orthese (die ich im folgenden Text einfach als "Schiene" bezeichne) ist äußerst einfach und doch sehr effektiv. Mit keiner anderen Schiene kann so leicht die erforderliche Fußstellung gehalten werden, bei gleichzeitig großer Beweglichkeit der Beingelenke und aktiver Nutzung der Muskulatur! Nach einer Eingewöhnungsphase wird ihr Kind sich trotz Schiene altersgerecht weiterentwickeln.

Baby mit Schiene

Je nach Alter kann es sich umdrehen, krabbeln, sich hochziehen… nur laufen ist dann doch etwas schwierig, wobei Kinder es durchaus schaffen, sich an einem Gegenstand entlang auf zwei Beinen fortzubewegen. Da sich die Tragezeit der Schiene nach drei Monaten rund um die Uhr sowieso auf 12 bis 16 Stunden reduziert, hat das Kind genug Zeit, alle Bewegungsabläufe auch so zu lernen, wie es jedes andere Kind tut.

Sehr wichtig ist, dass die Schiene so schnell wie möglich nach der Gipsabnahme angelegt wird. Schon nach kurzer Zeit (durchaus innerhalb weniger Stunden) könnte es sonst zu einem Verlust der Korrektur kommen und die Behandlung somit zurückgeworfen werden.

Die Eingewöhnungszeit dauert bei den meisten Kindern ca. eine Woche. Es ist normal, dass ein Kind die ersten ein bis zwei Tage viel weint. Die Haut ist nach der Gipszeit sehr berührungsempfindlich und das Strecken der Knie kann unangenehm sein. Dazu kommen die Schuhe an den Füßen, was so gut wie kein Kind mag (die ersten Kaufschuhe werden von Kindern auch meist erstmal abgelehnt). Nehmen Sie sich in diesen Tagen viel Zeit für Ihr Kind und lassen Sie es in seiner Unruhe nicht allein. Zeigen Sie ihm, wie es die Beine mit der Schiene synchron bewegen kann, indem Sie spielerisch mit ihm "turnen". Im Normalfall hat sich das Kind nach wenigen Tagen an die Schiene gewöhnt und der ganze "Aufwand" Ihrerseits besteht bis zum 4. Geburtstag darin, Ihrem Kind die Schiene zu den vorgegebenen Zeiten an- oder auszuziehen!

Baby mit Schiene in Bauchlage

Auch wenn bei den meisten Kindern die Eingewöhnung unproblematisch abläuft, sollte man in den ersten Tagen doch auf einige Dinge besonders achten:

  • Die berührungsempfindlichen Beine lieber beherzt anfassen als zu sanft. Das ist weniger unangenehm. Manchen Kindern hilft es, wenn man ihnen in den ersten Tagen eine Strumpfhose über die Beine zieht, damit der Stoff der Hose nicht an ihnen entlang reibt.
  • Da die Knie sich erst langsam an die Streckung gewöhnen müssen, kann man zum Schlafen ein zusammengerolltes Handtuch (oder eine kleine Decke) unter die Beine legen, damit die Knie angewinkelt sind.
  • Vermeiden Sie Druckstellen. Achten Sie darauf, dass die Strümpfe faltenfrei am Fuß liegen und die vordere Strumpfnaht nicht auf den Zehen reibt. Dazu kann man etwas zu große Strümpfe anziehen und diese Naht nach vorne ziehen.
  • Kontrollieren Sie regelmäßig die Füße auf Druckstellen. Nehmen Sie am besten bei jedem Windelwechsel die Schiene kurz ab und ziehen die Strümpfe aus. Gerötete Stellen sollten sorgfältig beobachtet werden. Gegebenenfalls auch nachts die Füße ein- bis zweimal kontrollieren.
  • Achten Sie darauf, dass der mittlere Riemen immer fest genug angezogen ist. Er sorgt für den festen Sitz der Ferse im Schuh. Der Fuß sollte im Schuh nicht hochrutschen, da es sonst schnell zu Druckstellen an der Ferse kommen kann, außerdem ist sonst die Dorsalextension und damit die Dehnung der Achillessehne nicht gewährleistet.

Generell sind folgende Dinge zu beachten:

  • Stecken Sie nie nackte Füße in die Schuhe. Schon ein kleines Krümelchen kann zu offenen Stellen führen, auch verschwitzte Füße reiben sich schnell wund in den Schuhen.
  • Am besten geeignet sind dünne Baumwollsocken oder Strumpfhosen, die keine Muster mit Innenfäden im Fußbereich haben. Diese könnten zu Druckstellen führen.
  • Um die Ferse besser durch das Fersenlöchlein sehen zu können, sollten die Strümpfe/die Strumpfhose möglichst hell sein.
  • Wenn es sehr warm ist, kann man statt Socken auch Schlauchverband aus der Apotheke verwenden. Diesen kann man in der richtigen Länge zurechtschneiden und dann an den Enden umschlagen. So kommt mehr Luft an Füße und Beine.
  • Wenn es kalt ist, kann man dicke Erwachsenensocken über die Schuhe ziehen und entsprechende Löcher hineinschneiden, damit man sie auf die Schiene klicken kann. Das geht auch mit genügend großen Puschen.
Sie müssen erst den Nippel durch die Lasche zieh'n…

Das Anlegen der Schiene ist in den ersten Tagen noch ungewohnt. Hier nochmal der Ablauf und ein paar Tricks, wenn der Orthopädietechniker doch etwas zu schnell war…(bitte anklicken)

Es empfiehlt sich, regelmäßig die Einstellungen und die Schrauben der Schiene zu überprüfen. Lassen Sie sich von Ihrem Orthopäden sagen, wie die Schuhe bei Ihrem Kind eingestellt sind - normalerweise werden Klumpfüße 70° nach außen gestellt und 10° nach oben, gesunde Füße 45° nach außen und nicht (0°) nach oben. Die Breite der Schiene wird folgendermaßen eingestellt: Von der äußeren Schraube unter der Schiene bis zur anderen äußeren Schraube sollte die Breite der Breite der Schultern des Kindes (von außen nach außen gemessen) entsprechen. Zu eng eingestellt Schienen sind unbequemer als zu breit eingestellte.

Auf jeden Fall müssen Sie darauf achten, dass die Schiene mindestens für die von Ihrem Orthopäden vorgegebene Zeit angelegt wird! Nur so ist der Erfolg mit hoher Wahrscheinlichkeit gewährleistet!

So aufwändig sich das alles hier anhört - Sie werden bald routiniert mit der Schiene umgehen. Vermitteln Sie Ihrem Kind eine positive Grundeinstellung zur Schiene, dann wird es sie gut akzeptieren. Schließlich verhilft sie Ihrem Kind mit hoher Wahrscheinlichkeit zu sehr schönen und gut benutzbaren Füßen, ohne dass ein großer operativer Eingriff mit den damit verbundenen möglichen Risiken und Folgen notwendig wird.

Bald wird die Schiene so zum festen Bestandteil Ihres Tagesablaufs gehören, wie Zähneputzen und Schlafanzug anziehen auch!

aktualisiert Juli 2007