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Im Spanischen Bürgerkrieg (1936 – 1939) meldete er sich freiwillig bei den Loyalisten, die versuchten, Francos Aufstand gegen die Regierung niederzuschlagen.
Er operierte und versorgte hunderte von Soldaten mit extremen Verletzungen. Die häufig vorkommenden offenen Knochenbrüche behandelte er mit einer damals neuartigen Gipstechnik. Am Ende des Bürgerkrieges, den die Loyalisten verloren, gelang es ihm, die ihm anvertrauten verletzten Soldaten nach Frankreich in Sicherheit zu bringen.
Als Flüchtling ohne Heimat und Staatsbürgerschaft wurde Ponseti als ausgebildeter Mediziner in Mexiko aufgenommen, wo er zwei Jahre als praktischer Arzt tätig war und in seiner Freizeit Englisch lernte. An der Universität von Mexiko begegnete er dem Orthopäden Dr. Juan Farril, der in den USA ausgebildet worden war. Farril empfahl Ponseti, an die Universtät von Iowa zu gehen, um unter dem weltberühmten Orthopäden Dr. Arthur Steindler zu arbeiten. Trotz des erschwerenden Umstandes, dass Dr. Ponseti wegen des Kriegsausbruches nie sein Diplom erhalten hatte und sein Englisch noch sehr schlecht war, gelang es ihm, eine Stelle als Assistenzarzt an der Universität von Iowa zu bekommen und seine fachärztliche Ausbildung zu vervollständigen.
Dr. Steindler verstand die Orthopädische Abteilung der Universitätsklinik als Einheit von Forschung, Lehre und Patientenversorgung. Außerdem gab es damals in Iowa bereits ein sehr fortschrittliches staatliches Gesundheitsprogramm. So fand Ponseti 1941 dort ideale Arbeitsbedingungen vor. Eine neue Kinderklinik mit 100 Betten, Labors für die biochemische Forschung, Knochenpathologie, klinische Forschung, Physiotherapie und eine Werkstatt für orthopädische Schienen.
Zu Ponsetis Aufgabenbereich gehörte es, die Ergebnisse von Klumpfußbehandlungen zu erfassen. Dr. Steindler hatte seine Arbeit ausgesprochen gut dokumentiert. Ponseti studierte die ausführlichen Patientenakten, die bis 1920 zurückreichten und sogar Röntgenaufnahmen enthielten, und verglich mit den aktuellen Füßen. Dabei stellte er fest, dass bei den Klumpfußpatienten selbst die Operationen durch sehr gute orthopädische Chirurgen nur zu unzufriedenstellenden Ergebnissen geführt hatten. Er begann, sich intensiv mit Klumpfüßen, den krankhaften Veränderungen der Knochen, Gelenke, Sehnen, Bänder und des Collagens zu beschäftigen.
Dr. Robert Jones aus Liverpool und London hatte 1923 geschrieben, dass er "niemals einen Fall gehabt hätte, bei dem die Korrektur durch Manipulation und Ruhigstellung nicht innerhalb von zwei Monaten erreicht werden konnte, wenn die Behandlung innerhalb der ersten Woche begonnen wurde". Diese Aussage faszinierte Dr. Ponseti und er begann nach Wegen zu suchen, um diese Behauptung nachvollziehen zu können. Aus der Idee, die Füße durch sanfte Manipulation schrittweise in ihre korrekte Stellung zurückzubringen, zwischen den Behandlungen zu gipsen und danach zu schienen, entwickelte er nach ausgiebiger Forschung die nach ihm benannte Klumpfuß-Therapie. Die ersten Patienten behandelte er auf diese Weise Anfang der 1950er Jahre.
Seine eigentlich einfache und doch bahnbrechende Idee verbreitete sich jedoch kaum. 1963 veröffentlichte Ponseti zum ersten Mal seine Forschungsergebnisse und seinen Therapieansatz in einer medizinischen Fachzeitschrift. Aber die Resonanz war gering, zumal er zu dieser Zeit noch relativ hohe Rezidivraten zu verzeichnen hatte - dass aber die Behandlung dieser Rezidive vergleichsweise einfach war, wurde anscheinend übersehen. Zu eingefahren war die Operationstherapie, zu kühn die Vorstellung, man könnte derart deformierte Füße allein mit den Händen und ein paar Gipsen heilen.
So verbreitete sich diese Behandlungsmethode zunächst nur äußerst spärlich, wenn Ärzte, die unter Dr. Ponseti gelernt und gearbeitet hatten sie an ihren neuen Behandlungsort "mitnahmen" und praktizierten. 1984 ging Dr. Ponseti in den Ruhestand, so wie es das Gesetz vorsah.
Zwei Jahre später, nachdem sich die Gesetzeslage geändert hatte, kehrte Dr. Ponseti an die Universität von Iowa zurück und widmete sich verstärkt der Klumpfußbehandlung und der Erforschung der Ursachen dieser Deformität.
Nachdem seine Frau und seine Kollegen Dr. Ponseti dazu gedrängt hatten, seine Erkenntnisse und Erfahrungen schriftlich niederzulegen, druckte 1996 die Oxford University Press, 33 Jahre nach seiner ersten Veröffentlichung der Behandlungsmethode, sein Buch: "Congenital Clubfoot: Fundamentals of Treatment" ². Kein anderer medizinischer Fachverlag zeigte Interesse.
Erst das Internet machte Dr. Ponseti und seine Klumpfußtherapie weit über Iowa hinaus bekannt. Eltern, die ihren Kindern hierdurch eine große Operation ersparen konnten, gaben ihre guten Erfahrungen in entsprechenden Foren an andere Eltern weiter, die dann ihrerseits nach der Ponseti-Therapie verlangten. Auch immer mehr Ärzte auf der ganzen Welt haben inzwischen die schlichte Genialität dieser Therapie erkannt und ließen sich darin ausbilden.
So erfuhren viele Menschen, was ohne das World Wide Web das vielleicht am besten gehütete Geheimnis der Medizingeschichte geblieben wäre:
Die allermeisten Kinder mit idiopathischen Klumpfüßen können dank Dr. Ponsetis Therapie ohne große Operation behandelt werden und ihr Leben auf funktionsfähigen, optisch einwandfreien und schmerzfreien Füßen verbringen.
Dr. Ponseti hat im Laufe seines Lebens viele medizinische Fachberichte und Fachbücher über die Ergebnisse seiner Forschungen zu Klumpfüßen, Hüfte und Skoliose geschrieben und eine ganze Reihe von Ehrungen und Preisen erhalten. 1984 wurde er Ehrendoktor der Universität Barcelona, wo er 54 Jahre zuvor seine medizinische Laufbahn begonnen hatte.
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